Ich weiß, dass ich ein Verlierer bin…Einer jener Menschen, die nach viel streben, nichts erreichen und nie wissen, worum es wirklich geht. Eben einer derer, die träumen, ohne zu wissen, was Träume sind. Jene, die eine Masse bilden, ohne zusammen zuhalten…Ich weiß, dass ich nicht weiß, was ich wirklich bin. Das, was ich weiß, ist grau…
Elliot Meister ist ein normaler Mensch, bis das er eines Tages eine Anhalterin mitnimmt welche sein ganzes Leben auf einen Schlag verändern soll. Nach einem Verkehrsunfall, welche die Anhalterin namens Mia nicht überlebt, wacht Elliot zwar wieder auf, doch beginnen nun seltsame Dinge ihren Lauf zu nehmen. Elliots erfährt das er „anders“ ist und sein Umfeld gerät vollständig außer Kontrolle.
Autor James Owen, oder besser der reale Mensch welcher hinter dem Pseudonym steckt, hat sich ja bisher eher im Bereich der Gruselhörspiele hervorgetan. Doch hier spielt er mit einem für ihn recht unbekannten Genre – zumindest soweit mir bekannt ist. Die Art der Sprache der Geschichte wurde fast schon lyrisch ausgewählt und so erhält das Hörspiel sofort von Anfang an eine sehr große spielerische Tiefe. Auch wenn gewisse Dialogpassagen ein wenig zu pathetisch wirken, so erfüllen sie doch ihren Zweck – oder gerade auch dadurch.
Wenn man das Hörspiel in ein Genre stecken muss, so würde Mystery es am ehesten treffen, oder auch nicht. Die Mischung ist recht ungewöhnlich und ich kann mich noch nicht so recht entscheiden ob ich die „andere Welt“ eher in Richtung Dämonen und Engel einordnen oder eher dem Hinweis des „01001010001“ auf dem Cover folgen und eine Art technische Matrix-Welt vermuten soll. Noch ist alles offen und die Fronten sind mehr als unklar.
Zwar geht es recht ruhig zur Sache, doch wird man schon mit vielen Veränderungen und einer passabel voranschreitenden Storyline konfrontiert. Viel atemlose Action wird nicht angeboten, doch wirkt die Geschichte alles andere als langweilig. Alleine schon die fast hypnotisch angelegten Erzählparts sind ein Hinhörer und gerade diese zogen mich auch in ihren Bann. Je langsamer und bedächtiger alles wurde, desto nervöser wurde ich, weil ich wissen wollte wie es weiter geht. Wenn das so beabsichtigt war, dann hat der Autor einen perfekten Job abgeliefert.
Maritim geht hier endlich einmal (fast) neue Wege und nicht die bisher bekannten Stimmen haben die Oberhand dieser neuen Serie, sondern eher recht unverbrauchte Hörspielsprecher – oder besser: für mich unverbraucht. Sicherlich ist dies hier nicht der erste Auftritt von Norbert Gastell oder Melanie Manstein in einem Maritim-Hörspiel, doch sind die Rollen recht klein und somit verfällt man auch nicht sofort in den „schon wieder die“-Kanon.
Florian Halm, als Hauptprotagonist Elliot Meister, legt sehr viel Ruhe in die Rolle hinein und durch sein langsames Sprechen wirken Elliots Erzählpassagen noch etwas eindringlicher. Als nicht gerade unbekannte Synchronstimme ist eine Rolle wie diese für ihn sicher ein Klacks und so bewegt er sich zwischen Verzweiflung, Auflehnung und dem Rest der präsentierten Gefühlsregungen mit fast schlafwandlerischer Sicherheit.
Melanie Manstein, als „Daniela“ – der Schwester von Elliot, kann mit ein wenig Fröhlichkeit punkten und das dunkle Feeling der Inszenierung auch ein wenig aufwerten. Norbert Gastell hört sich nicht, wie von mir befürchtet, so leblos an wie sein Leistung im „Plane Eden“. Sicher mag es auch daran liegen das diese Rolle eventuell auf ihn zugeschnitten wurde. Neben Anke Reitzenstein, Tina Eschmann, Stefan Staudinger, Michel Tietz, Chrisian Toberentz und Jo Kern (jetzt hab ich alle aufgezählt) ist auch noch Sprecherurgerstein Edgar Bessen zu hören.
Auch wenn ich stets bemängelt habe das die Sprecher vom Martim teilweise ohne Regieführung agieren, so fiel es mir hier nicht wirklich negativ auf. Die Namen werden nicht unterschiedlich ausgesprochen und die Dialoge wirken auch recht „homogen“ und fügen sich gut zusammen. Hier scheint man entweder für Abhilfe gesorgt zu haben, oder die Kontrolle der Takes ist genauer und pingeliger geworden. Egal was auch der Fall sein mag, der Effekt ist spürbar und wirkt sich sehr positiv auf das Hörspiel aus.
Die Musik wechselt von mystischen Klängen über riffartigen Stakatos bis hin zu ätherischen Klangcollagen. Sie ist jedoch so unauffällig montiert, das man sie zwar wahr nimmt, sie sich jedoch stets dezent im Hintergrund aufhält. Einzig in diversen Szenenübergängen übernimmt sie die dominantere Position.
Die Soundkulisse für ein Hörspiel dieser Art ist immer recht kritisch anzulegen ohne das sie ins lachhafte abrutscht und unglaubwürdig wirkt. Doch werden die Geräusche hier recht passend angebracht, drängen sich nicht in den Vordergrund und sind fast komplett als real anzuhören. Ein paar Schüsse und andere, eher winzige, Dinge stechen zwar negativ heraus, doch sind sie nicht so „wichtig“ als das man sich daran aufhängen könnte.
Eine unverbrauchte Idee mit einer gut durchdachten Inszenierung. Wen auch nicht viel Randale geboten wird, so ist trotzdem ein großer Unterhaltungswert vorhanden welcher sich sehr kurzweilig auswirkt. Wenn das in dieser Form fortgesetzt wird, hoffe ich auf ein lange Laufzeit der Serie…